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Wie viele Freelancer braucht ein Unternehmen?

Eine Studie hat untersucht, welchen Einfluss die Beschäftigung von Freelancern auf das Umsatz- und Beschäftigungswachstum eines Unternehmens hat.
Von Denniver Reining und David Sieben

Puzzleteile

Die moderne Geschäftswelt wird zunehmend dynamischer, flexibler und innovationsgetrieben. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, schnell auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren, neue Technologien zu integrieren und gleichzeitig ihre Mitarbeiter nicht zu überfordern. Ein häufig übersehenes Element, das dabei einen wichtigen Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens leisten kann, sind Freelancer. Doch ab wann wird der Einsatz von Freelancern wirklich zu einem Vorteil? Eine Studie hat genau diese Frage untersucht.

Die Forscher wollten wissen, ob und inwieweit der Einsatz von Freelancern einen positiven Einfluss auf das Wachstum und die Innovationskraft eines Unternehmens haben kann. Und hinterfragten damit den Standpunkt, dass Freelancer zwar eine flexible, aber wenig nachhaltig wertschöpfende Ergänzung zur Stammbelegschaft sind.

Einfluss von Freelancern auf Unternehmen

Die Studie, durchgeführt an über 1000 Unternehmen in Großbritannien, stellte zwei Kernfragen: Erstens, welche Faktoren beeinflussen den Umfang des Einsatzes von Freelancern in einem Unternehmen? Und zweitens, führt dieser Einsatz wirklich zu signifikantem Unternehmenswachstum?

Die Forscher befragten Firmen unterschiedlicher Größe, Branchen und Altersstrukturen. Dabei wurden sowohl private als auch öffentliche Unternehmen berücksichtigt. Die Studie untersuchte zudem, wie sich der prozentuale Anteil von Freelancern im Unternehmen auf Umsatz- und Arbeitsplatzwachstum auswirkt.

Innovation, Expertise und Wachstum

Die Ergebnisse waren überraschend eindeutig: Freelancer können Unternehmen nicht nur dabei helfen, flexibler zu reagieren, sondern auch ein direktes, messbares Wachstum sowohl beim Umsatz als auch bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze bewirken.

Die Stärke dieses Effektes war allerdings tatsächlich abhängig von der Anzahl der eingesetzten Freelancer. Die Studie zeigte, dass ein bestimmter Schwellenwert erreicht werden muss, bevor die Einbindung von Freelancern auch messbare Vorteile bringt.

Vor allem in Branchen, die auf schnelle Anpassung und fachliche Spezialisierung angewiesen sind, können Freelancer als Katalysatoren wirken. Dies liegt unter anderem daran, dass sie Expertise mitbringen, die dem Unternehmen nicht zur Verfügung steht.

Durch den Einsatz von Freelancern können interne Teams entlastet werden, die sich dann auf die Kernkompetenzen des Unternehmens konzentrieren können. Gleichzeitig ermöglichen es Freelancer, innovative Projekte voranzutreiben, ohne die Stammbelegschaft von ihren Hauptaufgaben abzulenken.

Die Mischung macht's

So konnte z. B. ARM Holdings in der Vergangenheit vor allem durch die Nutzung von Freelancern neue Chiparchitekturen entwerfen und mit Intel konkurrieren. Die Einzelhandelskette Argos startete mithilfe eines Freelancer-intensiven Teams sein Online-Geschäft ArgosDirect, während die Kernmitarbeiter sich auf die Filialen konzentrierten.
Im Baugewerbe senkt Taylor Wimpey Risiko und Kosten, indem spezialisierte Freelancer gar bis zu 70 % der Belegschaft ausmachen.

Freelancer ermöglichen es Unternehmen, hochspezialisiertes Talent zu nutzen, das nur für einen Teil des Geschäfts benötigt wird, ohne während der Nichtauslastung Kosten zu verursachen. Sie helfen, Umsatz und Beschäftigung zu steigern, indem sie Unternehmen motivieren, Mehrwert zu schaffen, als es sonst möglich wäre. Dadurch nehmen Freelancer eine symbiotische Rolle mit Angestellten ein, da ihre Arbeit oft der der Angestellten vorausgeht und sie ergänzt und so auch deren Produktivität steigert.

Fehlende Puzzleteile

Was macht Freelancer zu einem so wertvollen Asset? Die Studie gibt Hinweise darauf, dass es nicht nur die Kostenflexibilität und ihr Wissen sind, die sie attraktiv machen. Freelancer bringen nicht nur eine hohe Spezialisierung mit, sondern ermöglichen auch, Projekte schneller umzusetzen. So können Unternehmen schneller auf plötzliche Marktveränderungen reagieren, ohne große Reorganisationsmaßnahmen durchzuführen. Zudem entfallen aufwendige Rekrutierungsprozesse, die bei Festanstellungen notwendig wären.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass Freelancer und fest angestellte Mitarbeiter nicht in Konkurrenz zueinander stehen müssen. Vielmehr ergänzen sie sich oft ideal, indem Freelancer spezifische Aufgaben übernehmen, die die Kompetenzen der festen Belegschaft erweitern. Die Studie betont, dass Unternehmen, die eine bestimmte Anzahl von Freelancern einbinden, sogar mehr Arbeitsplätze für Festangestellte schaffen können, weil die Kombination ein erhöhtes Unternehmenswachstum ermöglicht.

Die magische Grenze

Die Analyse der Daten führte zu einer bemerkenswerten Erkenntnis: Unternehmen, die mindestens 11 % ihrer Belegschaft aus Freelancern bestehen lassen, verzeichnen signifikant höhere Wachstumsraten im Vergleich zu Firmen, die weniger oder keine Freelancer einsetzen. Diese 11 %-Schwelle markiert den Punkt, an dem Freelancer von einer punktuell unterstützenden Ressource zu einem entscheidenden Wachstumstreiber werden.

Für Unternehmen, die sich hin zu einer flexibleren und offeneren Kultur entwickeln wollen, lohnt es sich darüber nachzudenken, wie und wo sie Freelancer strategisch einbinden können. Die Einbindung von Freelancern kann offenbar den Unterschied zwischen Stillstand und dynamischem Wachstum bedeuten. Es scheint an der Zeit, Expertise nicht mehr nach "intern" und "extern" unterscheiden, sondern die Vorteile beider Modelle dauerhaft zu kombinieren – um nachhaltig erfolgreich zu sein.


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Burke, A., & Cowling, M. The Relationship Between Freelance Workforce Intensity, Business Performance and Job Creation

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